Ursprünglich breitete sich entlang der Altrheinarme und des Rheins der Auwald bis zu der Niederterrasse aus. Er begleitete bandartig den Fluß und war links und rechts des Rheins bis zu 2 km breit.
Entlang von ungestörten und naturnahen Fließgewässern herrschten im Einflußbereich des Hochwassers vergleichbare Standortbedingungen. Diese führten zur Ausbildung der typischen Auenvegetationen.
Dieser Auwald wurde kaum zur Holzgewinnung genutzt. Er diente vielmehr im Taubergießengebiet als Schweine- und Gänseweide, sowie der Kies- und Sandgewinnung. Der damalige Wald hatte wenig Ähnlichkeit mit dem heutigen. Er bestand hauptsächlich aus Gestrüpp und Sträuchern, die von einzelnen Eichen überragt wurden.
Ferner wurde Streu, Futtergras und Schilf
gewonnen. Der Rheinwald lieferte auch das Baumaterial, das man benötigte,
um das Ufer gegen die Hochwasser zu befestigen, und so das Kulturland zu
schützen. Mit dem Ausbau des Rheins und des Leopoldkanals stieg der
Bedarf an Faschinen enorm und erreichte in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
seinen Höhepunkt.
Veränderungen der Flächenanteile von Land und Wasser, sowie der Nutzungsarten innerhalb des Naturschutzgebietes Taubergießen (1.601 ha)
Mit dem Rheinhausener Waldgebiet verhielt es sich ganz ähnlich, nur daß hier der rheinnahe Wald wegen des Leopoldskanals noch länger für die Faschinengewinnung abgeholzt wurde.
Erst ab 1920 wurde eine Mittelwaldwirtschaft möglich. Da die Anzahl der Überflutungen nach der Rheinkorrektur zurückgingen und somit mehr nutzbares Land zur Verfügung stand, wurde 1850 damit begonnen, Bäume zu säen und zu setzen. Es handelte sich dabei um Eichen, Eschen, Ulmen und Hainbuchen. Die Sträucher wurden so allmählich zurückgedrängt.
Um 1900 begann man Berg- und Spitzahorn, Birke, Roterle, Hainbuche, Buche, Linde und Robinie auszupflanzen. Günstige Standortbedingungen für die Eiche boten große Flächen, die durch die Ablagerung von Schlick entstanden sind.
Von 1902 bis 1948 pflanzte die Gemeinde Rust:
Ab 1948 begann die Kanadische Pappel, eine Kreuzung zwischen einheimischen und amerikanischen Schwarzpappeln wegen ihrer überlegenen Wuchsleistung einheimische Arten zu verdrängen. ‘Ihr Anbau wurde nun verstärkt vorgenommen, um mit ihrem Holz die einheimische Papierindustrie zu versorgen und die Lücken, die durch Brennholzraubbau entstanden sind, auszugleichen. Auf die für Pappeln ungeeigneten Standorte pflanzte man Buntlaubbäume wie Esche, Erle, Ahorn, Kirsche, Birke, Linde, Ulme, Robine, Hainbuche und Buche. Bald machte man allerdings schlechte Erfahrungen mit dem extensiven Pappel- und Ahornanbau und besann sich auf einheimische Arten.
Anders verlief die Entwicklung im Rhinauer Gemeindewald. Mit 54% oder 673,3 ha von insgesamt 1257,9 ha hat die elsässische Gemeinde mit Abstand den größten Waldbesitz im Naturschutzgebiet (Erwin, Lauterwasser; Jürgen Hauck: Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz im Taubergießengebiet, S.45). Dafür gab es mehrere Gründe. Einmal war das Gebiet von seiner Besitzergemeinde nur mühsam zu erreichen und zum anderen war der Anteil der Sumpfgebiete erheblich größer. Im Gemeindewald Rhinau sind größere Gebiete wie Gehölze, Röhricht- und Gebüschflächen in der Feldflur, Weidenkopfholz-Röhrichtbestände und kleinere Inseln in den Altrheinzügen kaum nutzbar.
1924 bezifferte der Waldhüter Kruss das nutzbare Waldgebiet noch auf 300 ha. Heute wird es mit 547 ha angegeben (ebenda, S.39).
Besonders stark auf die unterschiedliche Entwicklung wirkte sich aber aus, daß Rhinau nur zeitweise dem badischen Forstamt unterstellt war.
Noch in den Kriegsjahren 1915 bis 1917, als es vom Forstamt Ettenheim bewirtschaftet wurde, war der Brennholzanteil 90%.
Das sollte sich ändern, und so wurde geplant, 1800 Eschen, 2400 Schwarzerlen und 800 Pappeln anzupflanzen. Insgesamt lag dem aber keine langfristige Planung zugrunde, da der Wald keiner durchgehenden forstbehördlichen Aufsicht unterstand. Erst wieder 1938 bis 1946, als das Gebiet wieder dem Forstamt Ettenheim unterstand, sollten die deutschen Richtlinien übertragen werden.
Im Rhinauer Gemeindewald änderte sich die Bewirtschaftung Ende der 60er Jahre mit dem Aussterben der Feldulme aufgrund von Pilzbefall.
1975/77 mit dem Höhepunkt des Ulmensterbens verschwand sie bis auf wenige Jungbäume. Damit waren 25% der Bäume verschwunden. Dazu mußten weite Flächen der Innenrheingebiete Ende der 60er Jahre abgeholzt werden, da es bei Inbetriebnahme der Staustufe Gerstheim unter Wasser gesetzt wurde. Jetzt wurde geplant, das Gebiet durch Pflanzungen in Hochwald zu überführen.
Die 1979 erlassene Naturschutzverordnung führte zu einem gespannten Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland.
"Dabei hat der insgesamt "junge" Wald selbst die Mißhandlungen und den Raubbau zur Zeit der Flußkorrektion dank der ungeheuren Wuchsdynamik der Auenvegetation unter Wahrung seines außerordentlichen Artenreichtums überstanden. Er stellt mit dem noch großflächig naturnahen, wenn auch vom Menschen beeinflußten und veränderten Waldgesellschaft ein Kleinod dar. Ein Urwald ist er jedoch ganz bestimmt nicht mehr." (Erwin Lauterwasser, Jürgen Hauck: Wald Forstwirtschaft und Naturschutz im Taubergießengebiet, S.44, Z.40-45).
Innerhalb des Taubergießengebiets
haben sich aber unterschiedliche Waldtypen herausgebildet, je nach Überflutungs-
oder Grundwasserverhältnissen. Die Waldtypen, auch Vegetationszonen
genannt, reichen von Auwäldern im ursprünglichen Sinn bis zu
Wäldern, die auch auf der Niederterasse auf grundwasserfernen Standorten
zu finden sind.
Bäume, Sträucher und Krautschicht
können im Taubergießengebiet in drei verschiedene Standorteinheiten
aufgeteilt werden.
Unter ihr versteht man jene Gebiete, deren Sommermittelwasser 0,3-1m unter Flur stehen. Die Gebiete werden vor dem Hochwasserdamm periodisch überflutet.
Bäume
Bäume, die diese Standortsbedingungen bevorzugen und darum als Indikatoren der Weichholzaue dienen, sind vor allem verschiedene Weiden- und Pappelarten.
Der früher noch unberührte Auwald bestand hauptsächlich aus zahlreichen Weidenearten (Silberweide, Korbweide, Purpurweide Schwarzweide, Lavendel-weide, Reifweide).
Durch die Rheinkorrektur und den Staustufenbau wurden dieser Waldgesellschaft immer mehr die Standortsbedingungen entzogen. Insgesamt gehören noch 255 ha der Weichholzaue an. Davon sind im Besitz der Gemeinde Rhinau insgesamt 141,4 ha, also 21 % der Gesamtfläche, und der Wald deutscher Eigentümer besteht aus 113,4 ha Weichholzaue (Erwin, Lauterwasser; Jürgen, Hauck: Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz im Taubergießengebiet, S.67, Tabelle).
Im Weidenwald dominiert die Silberweide.
Innerhalb des Weidenwaldes lassen sich zwei Ausbildungen unterscheiden:
Bild fehlt
(Wilhelm, Lohmeyer; Werner, Trautmann: Zur Kenntnis der Waldgesellschaften des Schutzgebietes "Taubergießen"-Erläuterungen zur Vegetationskarte-, S.423, Abb.1)
a) Den typische Silberweidenwald findet
man auf den tiefsten, nassesten und häufigst überschwemmten Flächen.
Hier wachsen als Sträucher das Mandelweiden- (Salix viminalis) und
Korbweidengebüsch (Salix triandra).
b) Der Hartriegel-Silberweidenwald auf
den höher gelegenen Flächen, stellt bereits eine Abbauphase des
Weidenwaldes dar. In diesen Gebieten ist die Silberweide oft überaltert
und gedeiht auch nicht mehr optimal, da ihr der Standort eigentlich nicht
mehr entspricht. Hier ist die Überleitung zum Eichen- Ulmenwald sichtbar.
Als typische Baumart der Weichholzaue
ist die Weide heute hauptsächlich im Uferbereichen der Altrheinarme,
des Innrheins, der Elz und an Tümpeln anzutreffen (ebenda, S.423).
Auch verschiedene Pappelarten, wie zum Beispiel die Schwarzpappel (Populus nigra) bevorzugen regelmäßig überflutete, wasserreiche Böden die allerdings locker, sandig oder kiesig sein sollten. Diese sind deshalb oft im Anschluß an den Silberweidenwald zu finden. Geeignete Standorte sind aufgrund des Rheinausbaus knapp geworden. Heute findet man die Schwarzpappel, wenn auch nur als Kümmerform- auf lockeren, trockenen Kiesaufschüttungen, die im Zuge von Ausbaumaßnahmen entstanden sind. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Baumart von der Pyramidenpappel und später von der "Kanadischen Pappel" verdrängt.
Die Pyramidenpappel (Populus nigra var. pyramidalis) ist eine abgeänderte Form der einheimischen Schwarzpappel. Seit ca 200 Jahren wird sie im Gebiet angepflanzt. Sie wächst entlang von Wasserläufen und an Wegen.
Auch die "Kanadische Pappel" (Populus euramericana) bevorzugt gut durchlüftete, nährstoffreiche Böden mit möglichst ganzjährigem Grundwasseranschluß (Erwin, Lauterwasser; Jürgen, Hauck: Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz, S.60).
Sträucher
An Waldrändern und in Lichtlücken stellt sich hier die Hopfen-Holundergesellschaft (Humulus Lupulus/ Sumbucus nigra) ein. Der schwarze Holunder kann hier 8 m Höhe erreichen und Hopfen überwuchert die Gebüsche.
Auf den etwas höher gelegenen Stellen findet man in der Stauchschicht sehr häufig den Hartriegel (Cornus sanguinea). Die Weichholzaue bietet dieser Strauchart optimale Standortbedingungen, da sie auf lehmigen, sandigen und nährstoffreichen Böden am besten gedeiht. Der Hartriegel ist auch sonst zahlreich im gesamten Taubergießengebiet an Wasserläufen und Wegrändern und vor allem am Rheindamm vertreten (Wilhelm, Lohmeyer; Werner, Trautmann: Zur Kenntnis der Waldgesellschaften des Schutzgebietes "Taubergießen" - Erläuterungen zur Vegetationskarte - , S.426).![]()
Foto: D. Toischer
Hopfen überwuchert üppig Hartriegel
Aufgenommen Ende August am Restrhein bei Niederhausen
In der Krautschicht findet man neben verschiedenen Röhrichtarten wie Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudocorus) und Sumpf-Segge (Carex acutiformis) hauptsächlich nitrophile Pflanzen.
Kräuter
Das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera), das vor etwa 45 Jahren in den Taubergießen eingewandert ist, finden wir vor allem in größeren Beständen an Wasserläufen und in Waldlichtungen.
Auch die Große Brennessel (Urtica dioica) bevorzugt feuchte Standorte. Sie ist ein Indikator für stickstoffhaltige, nasse Böden und taucht in regelmäßigen Abständen in der Weichholzaue auf (Sabine, Görs; Theo, Müller: Flora der Farn-und Blütenpflanzen des Taubergießengebietes, S.257).
An schattigen Uferrändern
und in feuchten, schattigen Waldabschnitten wachsen große Bestände
des eigentümlich aussehenden Winter-Schachtelhalms (Equisetum hyemale).
Im Frühjahr fällt uns die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) wegen ihres schönen saftigen Grüns ins Auge.![]()
Foto: D. Toischer
Winter-Schachtelhalm
Aufgenommen im Auwald bei Oberhausen im August 94`
![]()
Foto: D. Toischer
Schneeglöckchen
Aufgenommen in der Nähe des Rheins bei Niederhausen im Februar 94`
Mit abnehmender Häufigkeit der
Überschwemmungen findet man in der Krautschicht zunehmend die Waldzwenke
(Brachypodium sylvaticum) und die Waldsegge (Carex sylvatica) (Wilhelm,
Lohmeyer; Werner, Trautmann:
Zur Kenntnisnahme der Waldgesellschaften
des Schutzgebietes "Taubergießen" - Erläuterungen zur Vegetationskarte
-, S.426).
Gebiete, in denen das Sommermittelwasser 0,8-1,5 m unter Flur stehen und die, soweit sie vor dem Hochwasserdamm liegen, noch kurzzeitig überflutet werden, zählt man zur tiefen Hartholzaue.
Das gesamte Schutzgebiet umfaßt 1257,9 ha Wald, von dem 31,4% zur tiefen Hartholzaue zählen, also ca. 395 ha.
Die Gemeinde Rhinau verfügt über
ca. 205 ha tiefe Hartholzaue. Der Wald deutscher Eigentümer besteht
aus ca. 190 ha tiefer Hartholzaue (Erwin, Lauterwasser; Jürgen, Hauck:
Wald, Fortwirtschaft und Naturschutz im Taubergießengebiet,
S.67, Tabelle 4.).
Bäume
In diesen Gebieten fand man überwiegend
Eichen und Ulmen. Sie zählten zu den charakteristischen Bäumen
der Hartholzaue.
Es lassen sich zwei unterschiedliche Ausbildungsformen des Eichen-Ulmenwaldes unterscheiden.
In der ersten Baumschicht dominieren Feldulme (Ulmus carpinifolia),Esche (Fraxinus excelsior), Stieleiche (Qercus robur) und Silberpappel (Populus alba).
Traubenkirsche (Prunus padus), Grau-Erle (Alnus incana), Feldahorn (Acer campestre), Silberweide (Salix alba) und viele andere bilden den Unterstand (Wilhelm, Lohmeyer; Werner, Trautmann: Zur Kenntnis der Waldgesellschaften des Schutzgebietes "Taubergießen" - Erläuterungen zur Vegetationskarte -. S.426-427).
Der typische Eichen -Ulmenwald
Hier sind Eichen und Ulmen wegen der optimalen
Standortbedingungen frisch und typisch ausgebildet. Dieser Wald nimmt den
größten Teil der Flächen ein.
Der Maiglöckchen-Eichen-Ulmenwald
Er besiedelt etwas trockenere, seltener
überschwemmte Gebiete. Die Feldulme tritt hier nicht mehr so häufig
auf, wird heute gelegentlich schon von der Hainbuche ersetzt. Auch die
Stieleiche ( Quercus robur)
war schon vor der Rheinkorrektion mit
7% innerhalb des Niederwaldes vertreten. Heute ist sie in den weitverbreiteten
Eichen -Ulmenwäldern des Taubergießen dort stark vertreten,
wo der Boden tiefgründig und nicht zu trocken ist. Sie überlebt
auf trockenen, aber auch auf überfluteten Böden. Allerdings wächst
sie bei diesen Standortbedingungen nur sehr kümmerlich. Sie ist im
Taubergießengebiet aufgrund ihrer weiten Standortamplitude in der
tiefen, noch regelmäßig überfluteten Hartholzaue, aber
auch an grundwasserfernen Standorten aufzufinden. Obwohl die Eiche zum
Anbau geeignet ist, wurde darauf verzichtet, da sie viel Platz benötigt.
Genauso wie die Eiche findet die Ulme in der tiefen Hartholzaue optimale
Lebensbedingungen. Sie liebt kalkhaltige, grundwasserfeuchte, lehmige Böden.
Ursprünglich war die Feldulme oft bestandsbildend vertreten. Durch
die vegetativen Vermehrungsfähigkeiten, wie Wurzelbrut und Stockausschlagsvermögen,
aber auch durch die häufige Samenbildung war eine große Bestandsvermehrung
garantiert. Auch ist sie, was ihre Standorte angeht, nicht wählerisch.
So erträgt sie gleichermaßen lange Überflutungen, als auch
zeitweilige Trockenheit. Diese Anspruchslosigkeit gewährt einen enormen
Standortspielraum. Leider fielen viele Ulmen dem Ulmensterben Anfang der
70er Jahre zum Opfer. Besonders im Gemeindewald Rhinau führte das
Ulmensterben zu großen Bestandsverlusten (Erwin, Lauterwasser; Jürgen,
Hauck: Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz im Taubrgießengebiet,
S.55-56).
Sträucher
Die Strauchschicht des Eichen -Ulmenwaldes
weist einen großen Artenreichtum auf, da durch verschiedene Nutzungsformen
der Lichteinfall am Boden erhöht wurde.
Die Mantelgesellschaft des Eichen-Ulmenwaldes bildet das Traubenkirschen- Haselgebüsch (Pruno- padi -Coryletum). Aufgebaut wird diese Gebüschgesell-schaft vor allem vom Hartriegel (cornus sanguniea) und der Hasel (corylus avellana). Regelmäßig wächst auch Liguster (Ligustrum vulgare).
Auch für das Pfaffenhütchen (Evonymus europaeus) bietet diese Standortseinheit beste Voraussetzungen, da diese Strauchart feuchte, tiefgründige und lehmige Böden bevorzugt. Das Pfaffenhütchen ist im ganzen Gebiet verbreitet und ist häufig an Wegrändern zu finden.
Unter die Sträucher mischt sich auch ab und zu der Weißdorn (Crataegus monogyna), der sich in lichten Laubwäldern und an Wegrändern am wohlsten fühlt.
Eine weitere Strauchart hier, ist die Schlehe oder der Schwarzdorn (Prunus spinosa).
Vereinzelt mischt sich der Faulbaum (Rhamnus frungula), dessen Namen von der unangenehm faulig riechenden Rinde herrührt, in die Strauchschicht.
Ein Gebüsch, das auch ab und zu in der Strauchschicht der tiefen Hartholzaue erscheint, ist der Echte Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) und die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum). Die Waldrebe (Clematis vitalba) überwuchert Gebüsche oft so sehr, daß sie zu undurchdringlichem Dickicht werden (Theo, Müller: Gebüschgesellschaften im Taubergießengebiet, S.412).
Der Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) und
der Wollige Schneeball (Viburnum lantana) leiten zu der hohen Hartholzaue
über (Wilhelm, Lohmeyer; Werner, Trautmann: Zur Kenntnis der Waldgesellschaften
des Schtzgebietes "Taubergießen" - Erläuterungen zur Vegetationskarte
-, S.435).
Kräuter
Die Krautarten spielen in der tiefen Hartholzaue
nur eine untergeordnete Rolle. Die wenigen Kräuter, die hier wachsen
können, erscheinen oft etwas kümmerlich. Jedoch ist die Krautschicht
des Eichen -Ulmenwaldes, falls der Lichteinfall groß genug ist, sehr
abwechslungsreich. Der Boden der Hochwälder ist ab Anfang März
fast vollständig bedeckt mit Frühblühern.
Auch hier läßt sich die Hartholzaue in zwei Abschnitte unterteilen.
In Gebieten, die häufig überschwemmt
werden, und deren Standorte frisch und feucht sind, finden wir neben dem
Maiglöckchen, das dem Wald mit seinen Namen gab, das Echte Mädesüß
(Filipendula ulmaria), den Gemeinen Beinwell (Symphytum officiale) und
die Wald -Brustwurz (Angelica silvestris).
Ebenfalls feuchtigkeitsliebende Pflanzen sind Waldzist (Stachys sylvatica), Hexenkraut (Circaea lutetiana) und die Rosenschmiele (Deschampsia caespitosa) (ebenda, S.435).![]()
Foto: D. Toischer
Maiglöckchen
Aufgenommen im Mai 94` im Auwald bei Niederhausen
Das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria),
ein Hahnenfußgewächs, bevorzugt tiefgründige, stickstoffhaltige,
grundwasserdurchzogene Böden und findet somit auch in dieser Standortseinheit
günstige Lebensbedingungen.
Eine weitere Pflanze, die auch die Krautschicht mitgestaltet, ist der Aronstab (Arum maculatum), der als Indikator für nährstoffreiche, lockere, humose und lehmige Böden angesehen werden kann. Er tritt einzeln in der Krautschicht auf.![]()
Foto: D. Toischer
Scharbockskraut
Aufgenommen im März 94` bei Kappel Nähe Herrenkopfbrücke
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Foto: W. Toischer
Aronstab
Aufgenommen im Mai 94` in der Tiefen Hartholzaue bei Kappel
In der tiefen Hartholzaue duftet es im Frühjahr intensiv nach Knoblauch, was auf ein Liliengewächs, den Bärlauch (Allium ursinum) zurückzuführen ist. In der Regel zeigt er Grundwassernähe an und bedeckt darum auch großflächig Teile des Waldbodens (Wilhelm, Eisenreich: BLV Tier-und Pflanzenführer, S.102).![]()
Foto: W. Toischer
Fruchtstand des Aronstabs
Aufgenommen im August 94` am Waldparkplatz bei Kappel
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Foto: D. Toischer
Die Hartholzaue wird oft durch einen ungewöhnlichen Geophytenreichtum gekennzeichnet. Hier Bärlauch als flächendeckender Blütenteppich.
Aufgenommen im Mai 94`
Die Goldrute (Solidayo gigantea), eine
aus Nordamerika stammende Zierpflanze, ist in Lichtungen des Waldes vertreten
und kann heute als typisch für diese Standorteinheit angesehen werden.
Die Art bildet üppige, großflächige Bestände.
Hingegen wird das Scharbockskraut
(Ranunculus ficaria) hier zunehmend spärlicher, da ihm der Boden zu
trocken ist (Wilhelm, Lohmeyer; Werner, Trautmann: Zur Kenntnis der
Waldgesellschaften des Schutzgebietes "Taubergießen" - Erläuterungen
zu Vegetationskarte -, S.435).
Unter der hohen Hartholzaue versteht man Gebiete, deren Sommermittelwasser mindestens 1,5m unter Flur steht und nur noch sehr selten bei Spitzenhochwasser kurzfristig überflutet werden.
Im gesamten Naturschutzgebiet
gibt es über 362,3 ha hohe Hartholzaue. In diesen Gebieten ist der
Eichen -Ulmenwald in seiner trockenen Ausbildung zu finden.
Bäume
Den Eichen-Hainbuchenwald findet
man im Taubergießen auf den am höchsten und daher trockensten
Flächen des Schutzgebietes. Die Baumschicht besteht hier hauptsächlich
aus Stieleiche (Querus robur), Hainbuche (Carpinus betulus),
Esche (Fraxinus excelsior), dem wahrscheinlich künstlich
eingebrachen Bergahorn(Acer pseudoplatanus), dem Feldahorn
(Acer campestre)
und vereinzelt der Feldulme (Ulmus minor).
Diese Waldgesellschaft ist für den Flußauenbereich nicht charakteristisch.
Größere Bestände liegen deshalb außerhalb des Überflutungsgebiets
(Wilhelm, Lohmeyer; Werner, Trautmann: Zur Kenntnis der Waldgesellschaften
des Schutzgebietes "Taubergießen" - Erläuterungen zur Vegetationskarte
-, S.435).
Jenseits der Hochwasserdämme, wo es zu keinen Überflutungen mehr kommt, findet eine Entwicklung in Richtung Hainbuchenwald statt. Die Hainbuche verbreitet sich im Naturschutzgebiet auch ohne forstliche Pflegemaßnahmen auf natürliche Weise (Erwin, Lauterwasser; Jürgen, Hack: Wald, Forstwirtschaft und Umweltschutz im Taubergießengebiet, S.54).
Seit 1970 wurde die Beobachtung gemacht,
daß vereinzelt Bäume wie Stieleiche und Kirsche absterben und
Buche, Bergahorn, Spitzahorn und Hainbuche sich verstärkt durchsetzen
und verjüngen (Exkursionsprogramm des Bann-und Schonwaldes).
Sträucher
Die Mantelgesellschaft des Eichen-Hainbuchenwaldes
bildet das Liguster- Schlehengebüsch (Ligustro -Prunetum).
Wir finden hier ebenso:
Hartriegel (Carnus sanguinea), Liguster
(Ligustrum vulgare), Weißdorn (Crataegus monogyna), Schlehe (Prunus
spinosa), Rote Heckenkirsche (Lonixera xylosteum), Schlinge (Viburnum lantana),
Hasel (Corylus avellana), Berberitze (Berberis vulgaris), Kreuzdorn (Rhammus
cathartica) und die Hundrose (Rosa canina) (Theo, Müller: Gebüschgesellschaften
im Taubergießengebiet, S.417).
Kräuter
Wegen der dichten Baumkronen spielen die
Kräuter in der hohen Hartholzaue nur noch eine untergeordnete Rolle.
In der Krautschicht des Eichen-Hainbuchenwaldes tritt häufig die Weißsegge
(Carex alba) auf. Zusammen mit der Wolfsmilch (Euphorbia amygdoloides),
die wir hauptsächlich auf Dämmen finden, bildet sie die Trennart
gegen den Eichen-Ulmenwald (ebenda, S. 435).
Im Laufe der letzten 1 ½ Jahrhunderte hat der Mensch wesentlich die Standortbedingungen für den heutigen Wald beeinflußt und ist derzeit dabei, im Rahmen des "Integrierten Rheinprogramms" die Standortbedingungen erneut zu verändern. Die Hochwassertoleranz einzelner Bäume spielt dabei eine große Rolle, da die meisten der heute vorhandenen Bäume längere Hochwasser schlecht vertragen. Im Zusammenhang mit der Renaturierung der Aue wird davon ausgegangen, daß der künftige Wald hochwassertolerant werden soll, was zu einer anderen Waldzusammensetzung führen müßte (Aktennotiz Naturschutzgebiet im Forstbezirk Kenzingen.).