Eine Besonderheit des Taubergießen, die ihn immer wieder zum Anziehungspunkt für viele Botaniker werden läßt, ist sicherlich sein Orchideenreichtum. Rund 24 Orchideenarten blühen hier jährlich auf den Halbtrockenrasen und auf den Hochwasserdämmen. Warum ausgerechnet in dieser Gegend die Orchideen so vielzählig und artenreich wachsen, ist aus dem geschichtlichen Hintergrund zu verstehen. Obwohl das Naturschutzgebiet auf deutschem Gebiet liegt, wird ein Großteil der Wiesen von französischen Bauern der Gemeinde Rhinau genutzt. Da jedoch die Wiesen von den Franzosen nur mit der Rheinfähre erreicht werden können, schloß dies von vornherein eine intensive landwirtschaftliche Nutzung aus. Der schwierige Zugang über die Rheinfähre ermöglichte nur eine Magerwiesennutzung, d.h. es wurde keine Jauche geführt und wenig gedüngt. Dies war ein Segen für das Naturschutzgebiet, denn unter diesen Umständen wurde es nicht wie andere Wiesen und Waldstücke auf der Gemarkung als Ackerland umgebrochen, sondern nur 1-2 mal jährlich nach der Orchideenblüte gemäht. Natürlich sind es nicht nur die politischen Umstände, die sich günstig auf das Orchideenwachstum auswirken. Auch das warme, milde Klima mit geringen Niederschlägen bietet ihnen auf den Gley- und Paternia-Böden optimale Lebensbedingungen.
Orchideen bevorzugen zudem gut durchfeuchtete oder sogar staunasse Böden, wie sie im Taubergießen oft zu finden sind.
Besonders günstige Standorte, auf denen die Pflanzen am zahlreichsten vertreten sind, finden wir auf der Gemarkung Kappel und Rust auf den Wiesen: Im G`schleder, Am Schwarzen Stock, auf dem Azelkopf, auf dem Elzkopf und auf den Kappler Wiesen. Die Wiesen sind alle zwischen 60 und 150 Jahren alt.
Im Rheinhausener Taubergießengebiet
finden wir die meisten Orchideen auf dem Hochwasserdamm, der innerhalb
des Auwaldes verläuft. (Susanne, Görs: Die Wiesengesellschaften
im Gebiet des Taubergießen, S.355-357)
Familie: Orchidaceae
Gattung: Limodorum
Violetter Dingel (Limodorum abortivum)
Im Jahre 1994 wurde nur eine etwa 60 cm
hohe Pflanze auf der G`Schlederwiese bei Kappel gefunden.
Gattung: Neottia
Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis)
Die Pflanze kommt im Auwald bei Kappel
und Oberhausen vor. Sie blüht im Mai. Jährlich erscheinen hier
zwischen 25 und 40 Pflanzen. Der Bestand ist konstant. (Erwin, Rennwald:
Orchideen in der Ortenau, S.104)
Gattung: Listera
Großes Zweiblatt (Listera ovata)
Diese Orchidee kommt im Taubergießen
in den Auenwaldungen von Rust vor. Geschätzter Bestand im gesamten
Naturschutzgebiet 1300-2000 Exemplare. Ihr Vorkommen ist konstant.
Gattung: Himantoglossum
Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum)
Diese äußerst seltene Orchidee
wurde nur einmal im Mai 1982 auf der G`Schlederwiese, Nähe Blauloch
bei Kappel gefunden.
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Foto: W. Toischer
Bocksriemenzunge
Aufgenommen im Mai 82`
Gattung: Anacamptis
Hundswurz oder Pyramidenorchidee (Anacamptis
pyramidalis)
Ihre Blütezeit ist zwischen April
und Juli. Diese seltene Art kommt meist nur vereinzelt vor, z.B. am Hochwasserdamm
an der Rheinstraße bei Niederhausen und auf den G`Schlederwiesen
bei Kappel. Sie bevorzugt Halbtrockenrasen wächst aber sogar auch
auf Feuchtwiesen.
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Foto: W. Toischer
Hundswurz
Aufgenommen ca. 200 m nördlich der Rheinstraße in Kappel, Nähe Hochwasserdamm Anfang Juni 94`
Gattung: Gymnadenia
Die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia
conopsea)
Diese stark nach Vanille riechende Orchidee
blüht gleichzeitig mit der Waldhyazinthe mit ca. 50 Exemplaren an
der gleichen Stelle des Niederhausener Hochwasserdammes. Außer auf
dem Hochwasserdamm, kommt die Pflanze auch auf Feuchtwiesen vor.
Gattung: Orchis
Zu den Orchis-Arten, die im Taubergießen vertreten sind zählen das Purpur-Knabenkraut (Orchis-purpurea), das Helm-Knabenkraut,(Orchis-militaris)und das Angebrannte Knabenkraut(Orchis-ustulata).
Kleines Knabenkraut (Orchis morio)
Diese Art kommt im Taubergießengebiet
mit ca. 80 bis 150 Exemplaren auf den G`Schlederwiesen bei Kappel vor.
Ihr Bestand ist leicht rückläufig. Sie blüht im April.
Das Angebrannte-Knabenkraut (Orchis
ustulata)
Die obersten Blüten der Blütenähre
sind vor dem Öffnen dunkel gefärbt und geben dem Blütenstand
ein "angebranntes" Aussehen. Die Blüte duftet angenehm nach Honig
und lockt damit Tagfalter zur Bestäubung an. Die Blütezeit ist
zwischen Anfang Mai bis Ende Juli.Stellenweise wächst diese Orchidee
auf den Kappler Halbtrockenrasen wie Fahr- und Bingenkopf, Elzkopf, Azelkopf
und G`schlederwiesen, sowie auf dem Kappler Hochwasserdamm.
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Foto: W. Toischer
Angebranntes Knabenkraut
Aufgenommen auf den G`Schlederwiesen in der Nähe des Waldparkplatzes im Mai 94`
Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)
Diese Orchideenart verdankt ihren Namen
der Helmform, die durch das Zusammenneigen der drei oberen Blütenblätter
entsteht.
Sie ist auf dem Hochwasserdamm in Oberhausen leicht zu finden, da diese Art durch ihre Größe schon von weitem (siehe Photo) sichtbar ist. Zwischen April und Ende Juni ist ihre Blütezeit.
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Foto: W. Toischer
Helmknabenkraut mit Hufeisenklee
Aufgenommen auf den G`Schlederwiesen bei Kappel im Mai 94`
Das Purpur-Knabenkraut (Orchis-purpurea)
Diese Orchidee findet man vereinzelt am
Waldrand des Hochwasserdamms bei Niederhausen und in den Laubmischwäldern
in der Nähe des Schützenhauses. Ihr natürlicher Standort
ist die Hartholzaue. (Erwin, Rennwald: Orchideen in der Ortenau,
S.57) Im Taubergießengebiet ist die Pflanze konstant mit 100 bis
150 Exemplaren vertreten.(ebenda, S.104)
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Foto: W. Toischer
Purpurknabenkraut
Aufgenommen am Hochwasserdamm bei Niederhausen nahe der Rheinstraße im Mai 94`
Gattung: Dactylorhiza
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza
incarnata)
Sie kommt mit etwa 180 bis 350 Exemplaren
auf den Feuchtwiesen des Taubergießengebietes vor.Ihr Bestand ist
leicht rückläufig. (Erwin, Rennwald: Orichdeen in der Ortenau,
S.104)
Breitblättriges Knabenkraut (Dactyloriza
majalis)
Diese seltene Art kommt auf den Pfeifengraswiesen
des Taubergießengebietes vor.
Sie blüht im Mai. (Erwin, Rennwald:
Orchideen in der Ortenau, S.104)
Geflecktes Knabenkraut (Dactyloriza
maculata)
Diese ebenfalls sehr seltene Art kommt
konstant mit 4 bis 10 Exemplaren im Auwald und auf den Pfeifengraswiesen
vor. Sie blüht im Juni.(ebenda)
Gattung: Platantera
Die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera
bifolia)
Sie bevorzugt Halbtrocken- und Trockenrasen
und kommt auf den G`Schlederwiesen und vereinzelt auch auf dem Hochwasserdamm
vor.
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Foto: W. Toischer
Weiße Waldhyazinthe
Aufgenommen im Juni 94` am Hochwasserdamm bei Niederhausen, 20 m von der Rheinstraße entfernt
Bergwaldhyazinthe (Platanthera chlorantha)
Sie kommt mit 20 bis 50 Exemplaren auf
den Feuchtwiesen und an den Waldrändern des Naturschutzgebietes vor.
Gattung:Ophrys
Zu den Ophrys-Arten, die im Naturschutzgebiet Taubergießen zwischen Mai und Juni vorkommen, zählen die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea), die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), die Bienen-Ragwurz(Ophrys apifera) und die Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes). Von den Ophrys-Arten kommen Spinnen-Ragwurz und Hummel-Ragwurz am häufigsten vor, an den Dämmen oft zu Hunderten.
Das häufige Aufteten vieler Orchideenarten auf dem Hochwasserdamm hängt damit zusammen, daß er nicht gedüngt wird.
Die Namensgebung der Pflanzen beruht auf der Ähnlichkeit mit verschiedenen Insekten- und Spinnenarten. Nicht nur das menschliche Auge läßt sich durch das Aussehen der Blüte täuschen, sondern auch einige Hautflügler. Sie fliegen die Blüte an, angelockt durch deren Aussehen und Geruch und versuchen die Unterlippe zu begatten. Dabei bleiben Pollenpackete an den Härchen der Insekten kleben. Diese übertragen nun die Pollenpakete von Blüte zu Blüte und sichern somit die Befruchtung. Die Befruchtung hört erst dann auf, wenn genügend Weibchen der Hautflügler geschlüpft sind. (Alois, Kosch; Dietmar, Aichele: Was blüht denn da? S.246)
Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea)
Zwischen Mai und Juni blüht diese
Orchidee. Sie erhielt den Namen aufgrund der Ähnlichkeit der Lippe
mit dem Hinterleib einer Hummel.
Auch diese Orchidee findet auf dem Kappler
Hochwasserdamm, sowie auf den Kappler Wiesen günstige Standortbedingungen
und wurde von mir häufig gesehen.
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Foto: W. Toischer
Hummel-Ragwurz mit weißen Sepalen
Aufgenommen Anfang Mai auf dem Hochwasserdamm bei Kappel
Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera)
Diese Orchideenart kommt im Taubergießengebiet
mit 30 bis 100 Exemplaren vor und ist rückläufig. Am Damm und
im Wald von Niederhausen z.B. wurde sie seit Jahren nicht mehr gefunden,
dagegen trat der Bastard Fliege´ Spinne (Ophrys insectifera´
Ophrys sphegodes) Mitte April 1992 am Hochwasserdamm bei Kappel in mehreren
Exemplaren auf.
Die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Die Lippe ist braunrot, gelblich gezeichnet,
behaart und ohne Sporn.
Standorte, auf denen häufig Exemplare
vorkommen, sind die Halbtrockenrasen bei Kappel und vor allem der Kappler
Hochwasserdamm in der Nähe der Fährenanlegestelle.
Im Taubergießengebiet blühen
zwischen Ende März bis Juli etwa 50% aller Exemplare Badens.(Rennwald,
Erwin: Orchideen in der Ortenau, S.106)
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Foto: W. Toischer
Bienen-Ragwurz
Aufgenommen im Juni am Kappler Hochwasserdamm
Die Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes)
Ihre Lippe ist groß, samtig behaart
und ähnelt dem Hinterleib einer Kreuzspinne. Dies brachte ihr auch
den Namen ein.
Zwischen März und Juni kommt sie
häufig auf den kalkhaltigen Halbtrockenrasen bei Kappel (Fahr- und
Bingenkopf, Im G`schleder) vor sowie auf dem Kappler Hochwasserdamm.
Auf den G`Schlederwiesen sind jedes Jahr
sehr zahlreich die Bastarde von Spinne´ Hummel (Ophrys sphegodes´
Ophrys holosericea) zu finden, ebenso Hummel´ Spinne (Ophrys holosericea´
Ophrys sphegodes). Einmalig war auch der Fund zwischen Spinne´ Biene
(Ophrys sphegodes´ Ophrys apivera) Mitte Mai 1991 und 1992 am Hochwasserdamm
bei Kappel. Seither wurde die Pflanze nicht mehr gefunden.
90% der Individuen, die in Baden zu finden
sind, sollen hier stehen. (Rennwald, Erwin: Orchideen in der Ortenau,
S.106)
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Foto: B. Reichenbach
Spinnen-Ragwurz (Ophrys anrifera)
Aufgenommen Ende März auf dem Hochwasserdamm bei Kappel
Foto: W. Toischer
Große Vegetationsaufnahme von Spinnen-Ragwurz (Ophrys anarifera)
Aufgenommen am Hochwasserdamm bei Kappel im Juni 94
Gattung: Epipactis
Supfstendelwurz (Epipactis palustris)
Sie kommt im Taubergießengebiet
mit 2000 bis 4000 Exemplaren vor. Der Bestand ist leicht rückläufig.
Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis
helleborine)
Diese Art kommt im Taubergießengebiet
mit 300 bis 600 Exemplaren vor, z.B. am Grünloch nördlich von
Kappel. Ihr Bestand ist konstant. (Erwin, Rennwald: Orchideen in der
Ortenau, S.104)